Strategie für 6G-Forschung in Deutschland: die 6G-Forschungsroadmap der Bundesregierung

12. Mai 2026
  • Rund um die 6G-Entwicklung herrscht intensiver internationaler Wettbewerb – auch die USA, China und Südkorea investieren Milliarden in 6G-Forschung. Um Deutschland in diesem Bereich gut aufzustellen, präsentierte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) eine eigene 6G-Forschungsroadmap.
  • Die Roadmap definiert vier zentrale Handlungsfelder: wissenschaftlich-technologische Grundlagen und Zukunftstechnologien, anwendungsbezogene Technologieentwicklung, ein nationales Transfer- und Innovationsökosystem sowie nationale und internationale Vernetzung.
  • Vier sogenannte 6G-Transfer-Hubs sollen den Übergang zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung erleichtern.
  • Die Zielsetzung ist, deutschen Unternehmen und Hochschulen Wertschöpfung durch 6G-Technologien zu ermöglichen und Abhängigkeiten von Anbietern und staatlichen Akteuren in Weltregionen außerhalb Europas zu vermeiden.

2029 oder 2030 sollen die ersten 6G-Netze starten. Die technische Standardisierung der nächsten, sechsten Mobilfunkgeneration (6G – Informationszentrum-Mobilfunk) läuft daher bereits auf Hochtouren. Im Rahmen dieses Prozesses wollen Hochschulen, Infrastruktur- und Endgerätehersteller möglichst viele eigene Ideen und Lösungen in den künftigen Standard einbringen. Hinzu kommt, dass auch die Nutzung von 6G-Technologien für künftige Anwendungen viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit erfordert.

Doch rund um die 6G-Entwicklung herrscht ein intensiver internationaler Wettbewerb – die USA, China und Südkorea investieren Milliarden in 6G-Forschung. Daher ist es strategisch und wirtschaftlich für Deutschland und die EU wichtig, bei der Forschung zu 6G-Technologien und ihrer Anwendung möglichst weit vorne dabei zu sein. Aus diesem Grund fördert die EU die 6G-Forschung beispielsweise mit ihrer Initiative Smart Networks and Services Joint Undertaking (SNSJU).

In Deutschland fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) 6G als Schlüsseltechnologie und hat dazu eine eigene Roadmap für 6G-Forschung verabschiedet.

Die 6G-Forschungsroadmap richtet sich an Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Sie beschreibt die strategische Ausrichtung der deutschen Forschungs- und Innovationsaktivitäten bis 2030. Dazu definiert das Papier vier zentrale Handlungsfelder:

– wissenschaftlich-technologische Grundlagen und Zukunftstechnologien
– anwendungsbezogene Technologieentwicklung
– ein nationales Transfer- und Innovationsökosystem
– nationale und internationale Vernetzung.

 

Enge Verzahnung zwischen Forschung und praktischer Anwendung

Ein wichtiger Baustein der Strategie ist die Einrichtung von vier sogenannten 6G-Transfer-Hubs. Sie sollen den Übergang zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung verbessern beziehungsweise erleichtern.

Der Open6GHub+ wird vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Fraunhofer FOKUS (Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme) koordiniert. Das Konsortium will vor allem KI-basierte Netzfunktionen entwickeln und künstliche Intelligenz einsetzen, um Elemente künftiger Mobilfunktechnologien schneller zu entwerfen. Auch die Integration von Drohnen und nicht-terrestrischen Plattformen wie Satelliten ist Teil des Programms. Sie soll nicht zuletzt zu resilienterer Konnektivität beitragen.

Der 6GEM+ Transfer Hub steht unter der Leitung der RWTH Aachen. Das Projekt konzentriert sich auf KI-basierte Produktion, dynamische Logistik und innovative Mobilitätskonzepte. Eine enge Verzahnung mit der Praxis und assoziierte Industriepartner hat zum Ziel, Innovationen unter realen Bedingungen zu testen und zu validieren. Auch in diesem Zusammenhang sind Effizienz, Sicherheit und Resilienz mobiler Kommunikationssysteme wichtige Schwerpunkte.
Im Forschungshub 6G-life² arbeiten die Technischen Universitäten München (TUM) und Dresden (TU Dresden) zusammen. Ihre Arbeit fokussiert sich unter anderem auf vernetzte, kollaborative Robotik. Energieeffiziente und schnelle Rechenmethoden sollen komplexe Szenarien etwa in Robotik, Sensorik und Mensch-Maschine-Interaktion ermöglichen. Das Zusammenspiel der verschiedenen dafür nötigen Technologien soll in einem „Gesamtdemonstrator“ erprobt werden. Zusätzlich ist eine gezielte Unterstützung von in diesem Umfeld aktiven Start-ups geplant.

6G-RIC ist am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, HHI, in Berlin angesiedelt. Dieser Forschungshub legt seinen Schwerpunkt auf 6G-Technologien für vernetzte Medizin und urbane Mobilität. Dazu werden Technologien wie Mehrantennentechnik der nächsten Generation, integrierte Kommunikation und Sensorik sowie intelligente Netz- und Edge-Funktionen erforscht. Vorgesehen sind realitätsnahe Erprobungen, beispielsweise in klinischen Umgebungen.

 

Geostrategische und wirtschaftliche Zielsetzungen

Insgesamt ist das Ziel all dieser Aktivitäten, deutschen Unternehmen und Hochschulen eine gute Ausgangsposition dafür zu sichern, an der Wertschöpfung durch 6G-Technologien teilzuhaben – und überdies Abhängigkeiten von Anbietern und staatlichen Akteuren aus Weltregionen außerhalb Europas zu vermeiden. Dies zahlt auch auf die für künftige 6G-Anwendungen extrem wichtige Vertrauenswürdigkeit der Mobilfunk- und anderer Telekommunikationsnetze ein.
Zusätzlich zu den 6G-Transfer-Hubs unterstützt das Bundesministerium daher auch anwendungs- und missionsgetriebene Projekte, die zum Teil auch interdisziplinär ausgelegt sind. Hinzu kommen strategische Allianzen mit globalen Wertepartnern sowie im Rahmen einer „lernenden Roadmap“ ein intensiver Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die 6G-Forschungsroadmap des BMFTR definiert ausgehend von Leitgedanken und strategischen Zielen die erforderlichen Handlungsfelder sowie die nötigen Maßnahmen für deren Umsetzung. (Grafik: BMFTR)

 

„Die Forschung von heute schafft die Basis für die technologische Souveränität von morgen“, kommentiert Bundesforschungsministerin Dorothee Bär. Deutschland sei dafür in einer guter Ausgangsposition. Die Roadmap des Ministeriums zeige, wie Deutschland bis 2030 zu den führenden 6G-Nationen aufsteigen und dabei technologische Souveränität, digitale Resilienz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sichern kann.

Veröffentlicht am 12.05.2026

Mehr Infos zur 6G-Forschungsroadmap des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)

Auf einer eigenen Website (Homepage – Schneller und sicherer: Die 6G-Forschungsroadmap ist da – BMFTR) stellt das BMFTR die 6G-Forschungsroadmap ausführlich vor:
Eine Dokumentation als PDF steht hier (Homepage – Unser Weg zu 6G – BMFTR) zum Download bereit.