- 167 Millionen Schubladenhandys gibt es in Deutschland: Das sind weniger als im Vorjahr, aber immer noch zu viele.
- Gefahrgutregeln erschweren den Versand von gebrauchten Handys mit Akkus.
- Sechs Tipps für den Umgang mit alten Smartphones.
Das alte Smartphone spenden? Das war bisher eine gute Gelegenheit, umweltschonendes Verhalten und Spenden in Einklang zu bringen. Doch lassen viele Organisationen diese Aktionen mittlerweile pausieren. In den vergangenen Jahren konnten durch kreative Handysammelaktionen zahlreiche Geräte für den guten Zweck dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden. Denn ein Smartphone steckt voller wertvoller Rohstoffe[1].
Der Grund für das Aussetzen vieler Sammelaktionen ist vergleichsweise simpel: Die Versanddienstleister müssen die entsprechenden Sondervorschriften der ADR (Agreement concerning the International Carriage of Dangerous Goods by Road, übersetzt Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straßet[2]) für den Versand von Geräten mit Lithium-Ionen-Akkus einhalten. Das bedeutet, u.a. dass alle Geräte vor dem Versand geprüft werden müssen und besondere Verpackungsvorschiften eingehalten werden müssen. Der Versand wird dadurch aufwändig und teuer. Hinzu kommt ein strukturelles Hindernis: In vielen neueren Geräten sind die Akkus fest verklebt und lassen sich nicht ohne Weiteres entfernen. Dabei wollte die EU eigentlich durchsetzen, dass Smartphones mit wechselbaren Akkus ausgestattet werden, um Reparatur, Wiederverwendung und Langlebigkeit zu fördern.
167 Millionen Schubladenhandys in Deutschland
In deutschen Haushalten liegen es immer noch enorme Mengen alter Mobilgeräte ungenutzt in den Schubladen. Zwar ist die Zahl ungenutzter Handys und Smartphones weiter gesunken – von 195 Millionen im Vorjahr auf aktuell 167 Millionen –, dennoch bewahren 86 Prozent der Menschen mindestens ein ungenutztes Gerät zu Hause auf. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Bitkom-Umfrage unter 1.004 Personen ab 16 Jahren.[3] Ende 2022 waren es noch 210 Millionen Altgeräte, 2021 rund 206 Millionen und 2020 etwa 199 Millionen.
Warum wir alte Smartphones behalten
Der wichtigste Grund für das Horten ist die Hoffnung, das Gerät möglicherweise noch einmal zu brauchen: 48 Prozent nennen dieses Argument. 28 Prozent sorgen sich um ihre persönlichen Daten, 25 Prozent hängen emotional an den Geräten. Weitere Gründe sind fehlende Zeit für die Entsorgung (19 Prozent) oder Unklarheit darüber, wo und wie man ein Altgerät abgeben kann (11 Prozent).
Dabei gilt: Viele alte Smartphones sind noch funktionsfähig oder lassen sich aufbereiten. Wer sie nicht mehr nutzt, sollte prüfen, ob sie weiterverkauft, verschenkt, gespendet oder professionell refurbished werden können. Ist ein Gerät endgültig am Ende seiner Lebensdauer, muss es fachgerecht entsorgt werden – auf keinen Fall im Hausmüll.
Tipps zum Umgang mit alten Smartphones
- Erst prüfen: Nutzen, weitergeben oder verkaufen
Bevor ein Gerät entsorgt wird, lohnt sich ein kurzer Check: Funktioniert das Smartphone noch? Lässt es sich einschalten, laden und zurücksetzen?
Funktionsfähige Geräte können über Refurbishment-Anbieter, den Mobilfunkanbieter, Online-Ankaufsportale oder privat verkauft oder weitergegeben werden. Wichtig dabei ist, die Daten vorher zu löschen. Auch das Verschenken innerhalb der Familie oder im Freundeskreis verlängert die Nutzungsdauer erheblich – und ist nachhaltiger als Recycling.
- Länger nutzen, reparieren lassen
Der nachhaltigste Umgang mit Smartphones beginnt schon beim Neukauf. Beim Kauf auf Reparierbarkeit und lange Softwareunterstützung achten, zusätzlich eine Schutzhülle und Displayschutz nutzen. Bei schlechter Akkuleistung oder kleineren Defekten, wenn möglich das Gerät reparieren lassen.
- Daten sicher löschen
Ein häufiger Grund fürs Aufbewahren ist die Angst vor Datenmissbrauch. Dabei lässt sich dieses Risiko minimieren: Wenn alle Konten (Google, Apple, Cloud-Dienste) abgemeldet werden, das Gerät auf Werkseinstellungen zurückgesetzt wird sowie SIM- und Speicherkarten entnommen werden. So ist das Smartphone bereit für Weiterverkauf, Spende oder Entsorgung.
- Spenden nur nach genauer Prüfung
Handyspenden sind weiterhin möglich. Hierbei ist es wichtig, vorab zu klären, ob Geräte mit Akkus akzeptiert werden und die geltende Gefahrgutgesetzgebung bei Versand oder Sammlung eingehalten werden.
- Rückgabe im Handel nutzen
Viele wissen nicht: Große Elektrofachmärkte, Supermärkte und Discounter sind zur kostenlosen Rücknahme kleiner Elektrogeräte wie Smartphones verpflichtet – oft auch ohne Neukauf.
- Kommunale Sammelstellen und Wertstoffhöfe
Ist das Gerät defekt oder sehr alt, sind kommunale Wertstoffhöfe die richtige Adresse. Dort werden Altgeräte fachgerecht verwertet.
Wo kann ich mein gebrauchtes Smartphone abgeben?
Die Deutsche Telekom betreibt in Kooperation mit dem Partnerunternehmen Interzero und zahlreichen gemeinnützigen Organisationen die Onlineplattform handysammelcenter.de.
Bei Telefónica Deutschland (o2) können Altgeräte in den o2 Shops abgegeben oder alternativ per Versand eingeschickt werden.
Vodafone Deutschland betreibt ein Altgeräte-Recycling-Programm mit dem Partner ALBA Electronics Recycling. Nähere Infos gibt es hier.
1&1 gibt Hinweise zu Annahmestellen sowie seinem Rücknahmeprozess hier.
Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Rücknahmeprogramme beispielsweise von den Smartphone-Herstellern, dem Fachhandel, von Recycling-Unternehmen oder Altgeräte-Ankaufplattformen
[1] https://www.informationszentrum-mobilfunk.de/2023/03/14/rohstofflager-smartphone-kupfer-silber-und-gold/
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße
[3] https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Deutsche-horten-167-Millionen-Alt-Handys
Veröffentlicht am 23.04.2026