Wie 5G die Landwirtschaft smarter macht – Interview mit Till Berthold

Smart Farming ist eines der Schlagwörter, wenn es um innovative 5G-Anwendungen geht. Interessant ist, welche smarten Anwendungen heute schon funktionieren und wie sie sich mit neuen leistungsfähigeren Mobilfunknetzen weiterentwickeln. Ein Beispiel ist die Bekämpfung des Maiszünslers, einer der wesentlichsten Schädlinge im Mais, der zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führt. Die Bekämpfung des Schädlings erfolgt durch die Ausbringung von Schlupfwespen (Trichogramma) mit Hilfe von Drohnen. Dieser präzise und ressourceneffiziente Ansatz soll zu einer produktiveren und nachhaltigeren Landwirtschaft beitragen. Wir haben mit Till Berthold, dem Gründer und CEO von TB Copters über die Perspektiven von Smart Farming gesprochen.

Till Berthold

Sie bekämpfen den Maiszünsler mit Schlupfwespeneiern aus der Luft. Warum setzen Landwirte auf diese Technik?

Die Bekämpfung des Maiszünslers mit Schlupfwespen gibt es schon seit vielen Jahren. Früher war es aber sehr aufwendig, die Trichogramma in den Maisfeldern zu verteilen, da zum Zeitpunkt der Ausbringung der Mais oft schon sehr groß ist. Mit den Multikoptern können wir unabhängig von der Höhe des Maises die Trichogramma schnell und effizient ausbringen ohne Schaden am Mais anzurichten.

Worin liegt der Vorteil der Ausbringung von Nützlingen durch Drohnen?

Als Alternative gibt es in Deutschland nur Stelzenschlepper - hier befindet sich der Fahrzeugaufbau mit Fahrersitz oberhalb der Maisreihen - oder Handausbringung. Stelzenschlepper sind langsam und nur begrenzt verfügbar und überfahren beim Wenden meist trotzdem den Mais. Die Handausbringung ist sehr zeitaufwendig und bei sommerlichen Temperaturen körperlich anstrengend. Unsere große Flotte an Drohnen fliegt schnell, arbeitet präzise und überfährt keinen Mais.

Wo gibt es aktuell Herausforderungen bei dieser Form des Smart Farmings?

Wir bearbeiten jedes Jahr viele tausend Felder und haben einige tausend Kunden. Diese Menge ist von Hand nicht zu verwalten. Auf dem Markt gibt es keine geeigneten IT Lösungen zu kaufen. Deshalb mussten wir uns ein eigenes IT System entwickeln, welches die Datenverarbeitung vom Kunden bis zum Drohnenpiloten übernimmt und uns so die perfekte Einsatzplanung ermöglicht.

Wo sehen Sie die Chancen durch den 5G-Netzausbau?Smart Farming

Unser IT System erfordert ständige Kommunikation zwischen den Drohnenpiloten, Drohnen und unseren Servern. Die aktuell teilweise schwache Mobilfunkversorgung im ländlichen Raum macht uns sehr zu schaffen. Ein 5G-Netzausbau wird uns ganz neue Möglichkeiten bieten.

Wie wird sich die Landwirtschaft in den kommenden Jahren verändern?

Im Bereich der Digitalisierung ist in der Landwirtschaft noch sehr viel Potential. Es gibt in vielen Bereichen noch zu wenig spezielle Softwarelösungen, welche die Effizienz in der Landwirtschaft steigern können. Einige Softwarelösungen wurden auch deshalb bisher nicht entwickelt, weil sie ohne vernünftige Internetverbindung keinen Sinn machen. Sobald 5G verbreitet ist, wird sich sicher wieder einiges tun.

Veröffentlicht: 15.07.2021