Aluhut, 5G und Corona

Insbesondere seit das Corona-Virus die Gesellschaft fest im Griff hat, ist die Frage nach der Deutungshoheit und dem Wahrheitsgehalt von Informationen auf der Tagesordnung des öffentlichen Diskurses gelandet. Unter anderem um die neue Mobilfunkgeneration 5G gedeihen zahlreiche Verschwörungsmythen. Ein einprägsames Bild für diese Sicht ist der Aluhut, der stellvertretend für die Skepsis von Bürgern steht. Das Aluhut-Konzept geht zurück auf eine Science-Fiktion-Geschichte von Julian Huxley aus dem Jahr 1927. In dieser entdeckt die Hauptperson, dass Hüte aus Metallfolie dazu genutzt werden können, um die Effekte von Telepathie zu blockieren. Fast 100 Jahre später wird der Begriff eher abwertend für Menschen genutzt, die Anhänger von sogenannten Verschwörungstheorien sind und häufig ihren Überzeugungen selbst dann noch anhängen, wenn sie widerlegt wurden.

Bundespräsident Steinmeier nutzte kürzlich ebenfalls den Begriff und appellierte, dass „Mundschutz empfehlenswerter sei als Aluhut“. Obgleich Experten und Fachorganisationen jeden Zusammenhang zwischen 5G und Corona klar zurückgewiesen haben, kursieren im Netz die Behauptungen weiter. Medienwissenschaftler und Psychologen haben für die Anfälligkeit von Menschen in bedrohlichen Situationen Erklärungsmodelle entwickelt. In einem Experiment haben Forscher herausgefunden, dass Menschen, die das Gefühl eines Kontrollverlustes in einer bestimmten Situation haben, stärker an Verschwörungen glauben.  Ein Zusammenhang zwischen Kontrollverlust beziehungsweise Unsicherheitserleben und einem gesteigerten Glauben an Verschwörungstheorien finde sich auch in realen Situationen: Menschen mit einem befristeten Arbeitsvertrag oder ohne Job weisen eine stärkere Verschwörungsmentalität auf als Menschen mit unbefristetem Vertrag. Die Forscher vermuten, dass wenn Menschen nicht in der Lage sind objektiv Kontrolle herzustellen, sie es auf psychologischem Wege versuchen. Der Glaube an Verschwörungstheorien könnte dabei eine Möglichkeit sein, Ordnung ins Chaos zu bringen.[1]

Viele Institutionen setzen weiter auf sachliche Information und Aufklärung. Das Informationszentrum Mobilfunk hat zum Thema 5G und Corona die wichtigsten Fakten zusammengetragen:

  • Das Bundesamt für Strahlenschutz weist Berichte über einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung des Corona-Virus und der neuen Mobilfunkgeneration 5G zurück. Es gebe keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass Mobilfunkstrahlung eine Wirkung auf die Ausbreitung von Viren haben könnte, dies gelte auch für 5G.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist eine Reihe von Corona-Mythen strikt zurück: Corona-Viren werden nicht über 5G-Sendeanlagen verbreitet.
  • Die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection e.V (ICNRIP) weist die Behauptungen zurück, dass elektromagnetische Felder, die von 5G-Geräten erzeugt werden, COVID-19 verursachen können.
  • Die Europäische Kommission bezieht auf einer Faktencheckseite klar Stellung: Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und der 5G-Technologie.

 

 

[1] Pia Lamberty: Don’t trust anyone: Verschwörungsdenken als Radikalisierungsbeschleuiniger? In: Journal EXIT-Deutschland. Zeitschrift für Deradikalisierung und demokratische Kultur 5 (2017), S. 80-91. Link: PDF