Der unsichtbare Partner des Mobilfunks: Glasfaserausbau und Mobilfunkausbau gehen Hand in Hand

13. Oktober 2026

Der Ausbau der Mobilfunknetze und der Ausbau von Glasfasernetzen stehen nicht in Konkurrenz zueinander – sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Denn Mobilfunk braucht Glasfaser im Hintergrund, um die hohen Datenmengen insbesondere von 5G-Basisstationen zu- und abzutransportieren. Vornehmlich bei besonders abgelegenen Standorten kommen Alternativen wie Richtfunk in Betracht.

  • Per Funk übertragen Mobilfunknetze die Datenpakete und Signale nur auf der Strecke zwischen Mobilfunk-Basisstation und Endgerät – in der Regel also dem Smartphone oder Tablet.
  • Die Anbindung der Basisstationen ans Kernnetz und ans Internet erfolgt dagegen heute überwiegend per Glasfaser. Dazu nutzen die Netzbetreiber die ohnehin verlegten Glasfaser-Weitverkehrsnetze oder zum Teil auch selbst realisierte Glasfaserstrecken.
  • Als Alternative kann – insbesondere bei besonders schwer erreichbaren Mobilfunk-Standorten – auch Richtfunk genutzt werden. Er bietet allerdings weniger Kapazität als eine Glasfaser und ist im Vergleich auch störanfälliger.

Anders als der Begriff „Mobilfunk“ vermuten lassen könnte, findet auf der „Reise“ vom und zum Smartphone tatsächlich nur ein kleiner Teil des Weges von Daten und Sprachsignalen per Funk statt – nämlich die Strecke zwischen der Mobilfunk-Basisstation, also dem Dachstandort oder Antennenträger, und dem eigenen Endgerät.

Der weitaus größere Teil des Übertragungswegs von Datenpaketen läuft hingegen über Festnetzverbindungen. Die Basisstationen selbst sind über Kabel mit den weiteren Infrastrukturelementen wie Vermittlungsstellen und dem Mobilfunk-Kernnetz verbunden – heute in den meisten Fällen über Glasfaserkabel. Über diese Leitungswege werden die für das Smartphone bestimmten Daten zur Basisstation zugeführt, die vom mobilen Telefon gesendeten und von der Basisstation empfangenen Datenpakete fließen auf demselben Weg in Richtung Kernnetz ab.

Aus diesem Grund stehen der Ausbau von Glasfasernetzen und Mobilfunknetzen keineswegs in Konkurrenz zueinander. Beide müssen vielmehr Hand in Hand gehen.

Glasfasernetze versorgen auch Mobilfunk-Basisstationen

Beim Glasfaserausbau ist der Teil der Leitungen, der in private Häuser und Wohnungen führt, auch nur die sogenannte „letzte Meile“. Die einzelnen Teilnehmeranschlussleitungen werden vom sogenannten Verteilnetz gebündelt, und dieses wiederum von einem Weitverkehrs-Glasfasernetz versorgt. Und gerade die beiden letztgenannten Netzebenen dienen eben nicht nur zur Versorgung von Privatnutzern und Unternehmen, sondern auch zur breitbandigen Anbindung von Mobilfunkbasisstationen.

Allerdings ist nicht jeder verlegte Glasfaseranschluss in der Lage, auch eine komplette Mobilfunkbasis zu versorgen. Im Vergleich zu einem Endkundenanschluss benötigt eine Mobilfunkstation ein Vielfaches an Kapazität. Mobilfunkstationen brauchen daher einen direkten, mit hoher Bandbreite ausgelegten Anschluss an das Glasfaser-Verteilnetz. Eine (Teilnehmer-) Leitung im Glasfaser-Zugangsnetz reicht dafür nicht aus.

Zwar verlegen die Mobilfunknetzbetreiber zur Anbindung von Mobilfunkbasen auch eigene Teilstücke ihrer Glasfaser-Weitverkehrs- und Verteilnetze, doch nach Möglichkeit nutzen sie dieselbe Lichtwellenleiter-Infrastruktur, die auch Festnetzanschlüsse versorgt. Wirtschaftlich ist dies auf jeden Fall sinnvoll, da die nötigen Tiefbau- und Verlegemaßnahmen so gleich mehrere Nutzungen ermöglichen.

Mobilfunk-Basisstationen werden heute bevorzugt per Glasfaser angebunden.

 

Daten- und Stromanbindung sind unverzichtbar

Bei der Konzeption und Installation einer Mobilfunkbasisstation ist die erdgebundene Datenanbindung deshalb ein Faktor, den die Planer der Netzbetreiber von vornherein mit berücksichtigen müssen. Ebenso im Übrigen wie die Stromversorgung der Funkeinrichtungen – denn ohne eine leistungsfähige Anbindung ans Stromnetz kann eine Mobilfunkbasisstation nicht in Betrieb gehen. Beide Versorgungstrassen sind wegen der notwendigen Tiefbauarbeiten besonders kostenintensiv.

Dieser Zusammenhang wirkt sich wiederum auch auf die Netzplanung von Glasfasernetzen aus. Denn sie muss die Anbindung von Mobilfunk-Basisstationen in einem Ausbaugebiet ebenso berücksichtigen wie die Datenmengen, die von und zu den Mobilfunktürmen fließen.

Alternative Richtfunk

Es gibt allerdings auch Standorte, an denen eine Glasfaseranbindung gar nicht, oder nur mit übermäßigem Aufwand realisierbar wäre. Zum Beispiel höhere Berge, topografisch ungünstig geformte Täler oder insgesamt sehr abgelegene Regionen. In solchen Fällen kommt für die Anbindung von Basisstationen eine Alternative in Betracht: Richtfunk. Dann erfolgt die Zu- und Abführung der Mobilfunk-Daten über eine Punkt-zu-Punkt-Funkverbindung.

Die Übertragung nutzt typischerweise den Frequenzbereich zwischen zwei und elf Gigahertz (GHz). Solche Verbindungen können bis maximal 100 Kilometer, typischerweise eher bis 50 Kilometer überbrücken. Infrage kommen gegebenenfalls auch höhere Frequenzen. Sie bieten mehr Übertragungskapazität, erlauben im Gegenzug jedoch nur geringere Reichweiten. Im Frequenzbereich zwischen 13 und 38 GHz lassen sich per Richtfunk bis etwa 30 km überbrücken, im Bereich zwischen 60 und 80 GHz noch etwa zwei bis drei km. Je höher die Frequenz, umso mehr unterliegt die Übertragung zudem einer größeren Dämpfung (Abschwächung des Signalpegels) – beispielsweise bei Starkregen.

Ohne Sichtverbindung kein Richtfunk

Zu erkennen sind Richtfunk-Anbindungen von Mobilfunkstationen an den typischen Parabolantennen, die auf beiden Seiten der Funkstrecke exakt aufeinander ausgerichtet sein müssen.

Die typischen runden Parabolantennen an einem Funkturm weisen in der Regel auf Richtfunkverbindungen hin.

Allerdings müssen dafür mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Zwischen den beiden Parabolantennen muss eine ungestörte Sichtverbindung bestehen – es dürfen keine Gebäude oder auch Bäume oder andere Pflanzen im Signalweg stehen. Dabei ist zum Beispiel auch zu berücksichtigen, dass nicht binnen einiger Jahre ein Baum oder sonstige Vegetation in die Funkverbindung hineinwächst. Außerdem müssen auch für solche Funkstrecken Grenzwerte und Sicherheitsabstände eingehalten werden.

Richtfunkverbindungen lassen sich zwar möglicherweise schneller realisieren als ein Glasfaserausbau, doch bieten sie im Direktvergleich weniger Kapazität und haben eine höhere Störanfälligkeit. In der Regel setzen Netzbetreiber diese Option deshalb nur ein, wenn Glasfaser – meist aus Kosten- oder Zeitgründen – nicht infrage kommt. Insofern wird Richtfunk auch zur zeitlichen Überbrückung genutzt, bis der betroffene Standort später doch noch mit Glasfaser erschlossen werden kann.

 

Veröffentlicht am 14.10.2026

Erklärvideo zur Anbindung von Mobilfunkbasisstationen

Wie die Übertragungswege zwischen Smartphone und Mobilfunk-Kernnetz aussehen, erklärt auch unsere Animation „So funktionieren Mobilfunknetze“.

Hier finden Sie das rund 2,5-minütige Erklärvideo auf YouTube.