Stimmt es, dass Mobilfunk Krebs erzeugen kann?

Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Mobilfunk Tumorwachstum auslösen könnte. Weder konnten Wissenschaftler einen entsprechenden biologischen Mechanismen finden, noch ergaben Laborversuche überprüfbare Hinweise auf eine Zellschädigung. Auch die Mehrzahl der Beobachtungsstudien, die weltweit zum Thema durchgeführt wurden, hat keine Hinweise auf ein generell erhöhtes Krebsrisiko erbracht. Die wenigen vorliegenden Daten, die in eine andere Richtung deuten, werden von Experten kontrovers diskutiert und unterschiedlich bewertet.

So hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), das Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation WHO, im Sommer 2011 nach Auswertung des weltweiten Forschungsstandes das krebserregende Potenzial von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern als „möglicherweise für Menschen krebserregend“ (Gruppe 2B) eingestuft. Diese Einstufung bedeutet nach Aussage des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), dass es begrenzte Hinweise, aber keinen Nachweis für eine krebserregende Wirkung der Felder auf den Menschen gibt.

Die IARC-Einstufung ist für die WHO ein erstes Element für eine umfassende Bewertung aller möglichen gesundheitlichen Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder, die 2014 erwartet wird. Nach heutigem Stand sind nach Auffassung der WHO die geltenden Grenzwerte für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung ausreichend. Weitere, derzeit noch laufende Langzeituntersuchungen werden dazu beitragen, noch offene Forschungsfragen zu klären.

Nahezu zeitgleich mit der IARC war ein ICNIRP-Ausschuss dagegen zum Ergebnis gelangt, dass die weltweit vorliegende Literatur zwar methodische Defizite aufweise, aber bei Nutzungszeiten von weniger als zehn Jahren kein größeres Risiko für Tumore durch längeren oder stärkeren Gebrauch von Mobiltelefonen aufzeige. Obwohl weiterhin einige Unsicherheit bestehe (insbesondere was die Langzeitnutzung angeht), „weise der Trend in den sich ansammelnden Belegen zunehmend gegen die Hypothese, dass der Gebrauch von Mobiltelefonen Hirntumore bei Erwachsenen hervorrufen kann“, so die ICNIRP-Experten.

Auch die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) erkannte im Herbst 2011 nach Auswertung des aktuellen Forschungsstandes „eine unzureichende Evidenz für eine potenzielle Kanzerogenität von Mobilfunkexpositionen“ und kommt damit zu einer anderen Einschätzung als die IARC.